Wer wollen wir sein? Wer wollten wir nicht sein? Als wir uns als Achtjährige im Spiegel betrachteten – welche Vision hatten wir davon, wer wir einmal sein werden, wenn wir erwachsen, „groß“ sind? Ich selbst dachte, dass ich aussehen würde, wie eine meiner Barbiepuppen, langes blondes Haar, ein Auto, lange Fingernägel. Ich wollte Schafe in Australien züchten und nebenbei Opernsängerin sein. All das war ein Traum. Ist anders gekommen…

Wer wollte nicht irgendwann die Welt aus den Angeln heben? Im übertragenen Sinne – denn sie schwebt ja frei im All. Und dreißig oder fünfzig Jahre später, wenn wir zurück schauen, sind wir vielleicht erleichtert, dass wir es nicht getan haben. Oder melancholisch? Wer waren wir nur, als wir jünger waren? Als sei es ein anderes „Ich“.

Wir können uns in diejenige, die wir einst waren, hinein versetzen. Vielleicht ist der Körper, den wir einst mit uns herum trugen, nicht mehr der Gleiche – jedes einzelne Molekül in ihm schon ausgetauscht. Bleiben uns dann wenigstens unsere Erinnerungen? Oder sind sie verfälscht?

Es heißt, jeder konstruiert sich seine eigene Welt, seine Lebensgeschichte.  Frei nach Pippi Langstrumpf. Wer weiß denn schon noch, was man wirklich damals dachte? Haben wir unseren damaligen ersten Freund wirklich geliebt? Doch wer weiß schon genau, was „Liebe“ ist?

Wir sind sicher anders heute. Und doch – voller Rührung schauen wir auf den, der wir einst waren. Der Junge, der die schönsten Wolken-Kuckucks-Heime baute und in einem Baumhaus leben wollte. Das Mädchen, das einmal zu Fuß um die ganze Welt wollte – und es als Erwachsene nicht tat. So schauen wir zurück.

Dabei ist der Blick unserer Eltern spannend. Für sie sind wir, die in den Dreißigern, Vierzigern oder Fünfzigern sind, jung. Wir haben immer noch Zeit, unser Leben steckt Möglichkeiten. Was hindert uns eigentlich daran, noch einmal zu träumen? Und wenn etwas, das wir für verrückt halten dabei heraus kommt – umso besser – warum es nicht einfach tun?