Werte haben wir alle. Das kann es sich um einiges handeln  – wie Fairness, Gerechtigkeit, Gewissenhaftigkeit, Ehrlichkeit, Freundschaft, Fleiß – oder auch die Freiheit. Vieles davon klingt großartig, irgendwie selbstverständlich, manchmal auch etwas pathetisch.

Ein Problem an all diesen Werten ist, dass sie Worte sind. Und Sprache ist der Interpretation unterworfen. Wer kann schon sagen, was gerecht ist? Gut, unsere Politiker scheinen das ganz genau zu wissen. Nur schwanken die Definitionen hierfür – je nach Gesinnung.

Und wer möchte das nicht: Gerecht sein – oder fair? Oder zumindest als das genau angesehen sein? Andererseits: Immer entsprechend dieser Werte zu handeln, heißt auch, jederzeit sich dessen gewahr zu sein, was man so macht. Wenn ich im Auto die Geschwindigkeitsgrenze überschreite – bin ich dann noch fair oder gewissenhaft? Nun, auch das kann ich ja je nach Lust und Laune interpretieren. Vielleicht finde ich die Geschwindigkeitsbegrenzung unfair, also wird mein Verhalten plötzlich gerecht.

So leben wir in einem Raum der Beliebigkeit. Und in einem Land mit dreiundachtzig Millionen Menschen. Immerhin gelingt es uns manchmal gut, manchmal leidlich zusammen zu leben. Wir scheinen uns also doch irgendwie auf ein Minimum an gemeinsamen Werten geeinigt zu haben. Oder sind es eher all diese Gesetze, die uns im Zaum halten?

Und was hat das mit der Freiheit zu tun? Wer möchte das nicht sein, „frei“? Was ich vermutlich nicht bin, wenn ich mich montagmorgens um sechs Uhr dreißig aus dem Bett quäle oder mir der Konzern eine Telefonkonferenz auf die Mittagspause legt. Oder wenn wir an einem Sonntagnachmittag bei strömendem Regen das Fußballspiel eines Kindes besuchen. Gut, wir könnten uns immer auch anders verhalten – doch was wir auch immer tun, hat Konsequenzen. Also bleibt die gemeinte Freiheit oft nur die Theorie und wir fügen uns in das, was wir meinen, tun zu müssen.

Vielleicht ist das Gefühl, frei zu sein auch nur eine schöne Illusion. Denn wir alle sind unserem Körper und unserer Biologie unterworfen. Möchten vielleicht auch nicht allein sein und müssen uns, um das zu erreichen unserer Gruppe anpassen.

Oder sehen wir es anders: Der Tag hat vierundzwanzig Stunden. Und egal, wie wir leben, wir sind nicht immer gleich. Selbst, wenn wir uns in dem was wir sagen, immer wieder zensieren – eines ist gewiss: Die Gedanken sind frei. Auch innerlich frei zu sein, ist jederzeit möglich.